gleich mal vorweg: heut werd ich mich wieder mal gedanklich ausspinnen hier. nicht nur mit e. stelle ich ja immer wieder fest, dass viele gedanken sich erst durch das aktive ausformulieren (mündlich oder schriftlich) in ihrer vollen aussagekraft zu zeigen geben. das ist einerseits so, weil unser hirnkastl nun mal nur in worten denken und sich mitteilen kann. sobald wir die bilder und gefühle in uns vermitteln wollen, müssen wir sie ja meist als sätze wiedergeben (bildende künstler und musiker haben dafür auch andere ausdrucksmittel und werden deshalb von mir so geschätzt). zweitens (und das meinte ja schon sokrates soweit ich mich recht erinnere), ergänzen wir unsere gedanken in der philosophischen form des "dialogs" um andere ansichten und bauen sie so differenziert aus. ach wie herrlich ist das hirnwichsen! allein, gemeinsam oder in form von kunst!
ich verbringe ja selbst gerne zeit, stundenlang um die themen die uns berühren und erfreuen zu philosophieren und erfreue mich mit meinen gesprächspartnern selbstverliebt an den geistesblitzen, ideen, meinungen und konsensen, die sich in den gesprächen verbildlichen (in der kunst veranschaulichen und in der musik verlautbaren). und je länger und später die stunde, desto scheinbar ergiebiger das ergebnis, vor allem wenn man dann auch die rotweinflasche doch noch aufgemacht hat oder man vielleicht im worte spinnen oder pinsel schwingen gar nicht mehr dort ankommt, wo man hergekommen ist oder hin wollte.
nun ist die frage, inwieweit der mensch seine welt allein mit seinem hirnkastl, mit seinen worten, bildern und melodien erfassen, verstehen und beschreiben kann. da gibt's ja zum beispiel auch noch sowas wie diffuse (bauch-)gefühle. schwer zu beschreibende vor allem. und die werten wir verkopften denkerInnen ja nicht mehr als intellektuellen output. und das bauchgefühl hat natürlich bei uns studierten leuten manchmal einen geringeren stellenwert als der intellekt. weil das bauchgefühl sich nicht erklären und schon gar nicht negieren oder verteidigen lässt und weil seine meinung nicht parteitreu ist. und schwierig ist, dass die menschen, die im bauch gar kein gefühl spüren, gar nicht wissen was das überhaupt sein soll. eine kopf-erklärung, die ich mir schon lange zurecht gelegt habe, ist das bauchgefühl als rechenleistung von psyche, geist und körper zu erklären, der über unsere gehirnkapazität hinaus geht und sich deshalb unseres intellekts entzieht. keine ahnung, ob das auch nur in irgend einer form so stimmen kann, aber als erklärung für ungläubige hat es bisher immer stand gehalten.
zum bauchgefühl kann man nur "einegspian", anders entdeckt man es nicht. das ist schwierig genug würde ich mal behaupten. vor allem schwierig für alle, die ihre gefühle manchmal gar nicht spüren, weil sie sie nicht zulassen. aber das ist eine andere geschichte..
warum komme ich überhaupt auf das thema? natürlich kreisen meine gedanken hier in wien wie wild um die dinge, die ich zur zeit für mich herausfinden möchte. und mir ist auch heute erst bewußt geworden, wie viel ich mir schon wieder vorgenommen hatte herauszufinden in den kurzen fünf wochen, die ich nun hier bin. und darum habe ich zum besipiel letzte woche meine liebe und vor allem berfulich erfolgreiche und verheiratete freundin m. danach gefragt, was ihr "geheimnis" ist. "..ich habe irgendwann begonnen, auf meinen bauch zu hören und glück gehabt". natürlich hätte ich mit etwas praktikableren tipps gerechnet, ihre antwort könnte dennoch nicht pragmatischer und brauchbarer sein. denn sie ist eine aufforderung, sich selbst zu vertrauen und das zu tun was man selbst für richtig befindet. und im vertrauen auf das eigene bauchgefühl, ist man auch nicht verleitet, dem "guten rat" anderer zu folgen und dinge zu tun, die man selbst so nicht machen würde. und letztlich ist die strategie, auf das eigene bauchgefühl zu hören sogar für eine prinzipielle stategie-verweigererin wie mich anwendbar.
in diesem sinne war m.'s tipp eine prägnante und sehr gescheite aussage. und die message ist angekommen, auch wenn wir sie nicht zwei stunden lang diskutieren mussten. (ja, ertappt, ich diskutiere sie dafür ja hier schon wieder weiter..)
fazit: ich kann manchmal meine meinungen so schlecht verteidigen, dass ich die aussage ganz verweigern muss. ich weiß nicht, weshalb mir schweinefleisch plötzlich nicht mehr schmeckt und ich kann nicht erklären was genau mich so glücklich macht in den menschen und so traurig in der welt. und vor allem kann ich wirklich überhaupt nicht beschreiben weshalb ich helge schneider's jazzclub intelligent finde.
eines aber weiß ich sicher: es fühlt sich richtig an.
und die dinge, die sich falsch anfühlen, werde ich auch noch angehen. und alles in allem werde ich bestimmt für das eine wie das andere wieder gerne auf lange und ausgiebige gespräche zurückkommen. zumindest bis die großen fragen einmal durchdiskutiert sind und ich auch in einem satz antworten weiß. in diesem sinne ein uraltes motivationslied für alle, die keine angst vor veränderungen haben: ^^
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