Sonntag, 8. November 2009

great expectations

gleich mal vorweg: heut werd ich mich wieder mal gedanklich ausspinnen hier. nicht nur mit e. stelle ich ja immer wieder fest, dass viele gedanken sich erst durch das aktive ausformulieren (mündlich oder schriftlich) in ihrer vollen aussagekraft zu zeigen geben. das ist einerseits so, weil unser hirnkastl nun mal nur in worten denken und sich mitteilen kann. sobald wir die bilder und gefühle in uns vermitteln wollen, müssen wir sie ja meist als sätze wiedergeben (bildende künstler und musiker haben dafür auch andere ausdrucksmittel und werden deshalb von mir so geschätzt). zweitens (und das meinte ja schon sokrates soweit ich mich recht erinnere), ergänzen wir unsere gedanken in der philosophischen form des "dialogs" um andere ansichten und bauen sie so differenziert aus. ach wie herrlich ist das hirnwichsen! allein, gemeinsam oder in form von kunst!
ich verbringe ja selbst gerne zeit, stundenlang um die themen die uns berühren und erfreuen zu philosophieren und erfreue mich mit meinen gesprächspartnern selbstverliebt an den geistesblitzen, ideen, meinungen und konsensen, die sich in den gesprächen verbildlichen (in der kunst veranschaulichen und in der musik verlautbaren). und je länger und später die stunde, desto scheinbar ergiebiger das ergebnis, vor allem wenn man dann auch die rotweinflasche doch noch aufgemacht hat oder man vielleicht im worte spinnen oder pinsel schwingen gar nicht mehr dort ankommt, wo man hergekommen ist oder hin wollte.
nun ist die frage, inwieweit der mensch seine welt allein mit seinem hirnkastl, mit seinen worten, bildern und melodien erfassen, verstehen und beschreiben kann. da gibt's ja zum beispiel auch noch sowas wie diffuse (bauch-)gefühle. schwer zu beschreibende vor allem. und die werten wir verkopften denkerInnen ja nicht mehr als intellektuellen output. und das bauchgefühl hat natürlich bei uns studierten leuten manchmal einen geringeren stellenwert als der intellekt. weil das bauchgefühl sich nicht erklären und schon gar nicht negieren oder verteidigen lässt und weil seine meinung nicht parteitreu ist. und schwierig ist, dass die menschen, die im bauch gar kein gefühl spüren, gar nicht wissen was das überhaupt sein soll. eine kopf-erklärung, die ich mir schon lange zurecht gelegt habe, ist das bauchgefühl als rechenleistung von psyche, geist und körper zu erklären, der über unsere gehirnkapazität hinaus geht und sich deshalb unseres intellekts entzieht. keine ahnung, ob das auch nur in irgend einer form so stimmen kann, aber als erklärung für ungläubige hat es bisher immer stand gehalten.
zum bauchgefühl kann man nur "einegspian", anders entdeckt man es nicht. das ist schwierig genug würde ich mal behaupten. vor allem schwierig für alle, die ihre gefühle manchmal gar nicht spüren, weil sie sie nicht zulassen. aber das ist eine andere geschichte..
warum komme ich überhaupt auf das thema? natürlich kreisen meine gedanken hier in wien wie wild um die dinge, die ich zur zeit für mich herausfinden möchte. und mir ist auch heute erst bewußt geworden, wie viel ich mir schon wieder vorgenommen hatte herauszufinden in den kurzen fünf wochen, die ich nun hier bin. und darum habe ich zum besipiel letzte woche meine liebe und vor allem berfulich erfolgreiche und verheiratete freundin m. danach gefragt, was ihr "geheimnis" ist. "..ich habe irgendwann begonnen, auf meinen bauch zu hören und glück gehabt". natürlich hätte ich mit etwas praktikableren tipps gerechnet, ihre antwort könnte dennoch nicht pragmatischer und brauchbarer sein. denn sie ist eine aufforderung, sich selbst zu vertrauen und das zu tun was man selbst für richtig befindet. und im vertrauen auf das eigene bauchgefühl, ist man auch nicht verleitet, dem "guten rat" anderer zu folgen und dinge zu tun, die man selbst so nicht machen würde. und letztlich ist die strategie, auf das eigene bauchgefühl zu hören sogar für eine prinzipielle stategie-verweigererin wie mich anwendbar.
in diesem sinne war m.'s tipp eine prägnante und sehr gescheite aussage. und die message ist angekommen, auch wenn wir sie nicht zwei stunden lang diskutieren mussten. (ja, ertappt, ich diskutiere sie dafür ja hier schon wieder weiter..)

fazit: ich kann manchmal meine meinungen so schlecht verteidigen, dass ich die aussage ganz verweigern muss. ich weiß nicht, weshalb mir schweinefleisch plötzlich nicht mehr schmeckt und ich kann nicht erklären was genau mich so glücklich macht in den menschen und so traurig in der welt. und vor allem kann ich wirklich überhaupt nicht beschreiben weshalb ich helge schneider's jazzclub intelligent finde.
eines aber weiß ich sicher: es fühlt sich richtig an.

und die dinge, die sich falsch anfühlen, werde ich auch noch angehen. und alles in allem werde ich bestimmt für das eine wie das andere wieder gerne auf lange und ausgiebige gespräche zurückkommen. zumindest bis die großen fragen einmal durchdiskutiert sind und ich auch in einem satz antworten weiß. in diesem sinne ein uraltes motivationslied für alle, die keine angst vor veränderungen haben: ^^

Sonntag, 4. Oktober 2009

facebook und friends

facebook ist ja ein zeitfresser par excellence. zumindest für mich, da ich schwerst facebook-süchtig bin - korrigiere: war!. ich habe nämlich heute meinen account bei facebook gekündigt. angeblich kann ich ihn "jederzeit reaktivieren", wenn ich mich mit meinem alten nutzernamen und passwort einlogge. mal schauen. ich hoffe, es muss nicht sein. jetzt bin ich erst mal froh, dass ich weniger zeit mit dem lesen unwichtiger statusmeldungen verbringe, die leute geschrieben haben, die ich vielleicht sogar nur vom sehen kenne. oder noch schlimmer: die ich gar nicht mag.
diese ganze facebook-freunde sache ist ja für mich nicht nur ein bisschen scheinheilig, sondern auch blöd. und zwar insofern blöd, da ich durch facebook plötzlich mehr von leuten gelesen habe (und mir deren bilder angeschaut habe und denen auch noch nachrichten geschrieben habe), die ich bis zur benutzung von facebook gar nicht gut kannte. und auch wenn ich sie kannte, hatte ich mit den leuten mehr kontakt, als mit meinen echten freunden (ausnahmen bestätigen die regel meine lieben mädels!). man hat ja auch ständig diese (meist nichtssagenden) meldungen irgendwelcher leute auf dem schirm, die halt zufällig auch facebook-süchtig sind, oder einfach nur mitteilungsbedürftig. und viele meiner echten freunde sind halt eben nicht auf facebook und schreiben nicht ihren tagesablauf als statusnachricht ins internetz. und das ist ja in wahrheit eine katastrophe, oder? man verbringt mehr zeit (private zeit!) mit dem lesen der "ich war heut beim friseur und geh dann gleich abendessen *klimper klimper*"-nachrichten irgendwelcher leute, die mal irgendwo mal kannte, als freunden, mit denen man sich über ernsthafte dinge austauschen möchte endlich wieder mal eine email zu schreiben oder sie anzurufen. und auch ich fürchte, meine nicht-facebooker freunde (die aber dafür das prädikat freunde im gegensatz zu den meisten meiner 220 facebook-friends witrklich verdienen) ein bisschen aus "dem blickfeld" (also "vom bildschirm") verloren zu haben, weil ich ständig in diesem facebook-friends-kreis gesurft bin.

und nun: ist schluss damit. juhuu!

facebook ist ja in wahrheit eh ein ganz neues phänomen. mir ist auch gleich zu beginn aufgefallen, dass die leute, die ich von früher (vom land) kannte, nur in den seltensten fällen einen facebook-account haben. beim letzten klassentreffen hab ich auch bemerkt, dass diese leute vom land oft gar keine eigene email-adresse hatten. was ja für mich undenkbar ist, aber in wahrheit liegt das klar auf der hand. ich bin ja nun auch kein super-early-adopter, aber zumindest seit der jahrtausendwende war ich im internet immer relativ weit vorn dabei. und ganz klar ist dabei, dass die zusammenstellung der leute mit denen ich mich umgeben habe von jahr zu jahr mehr in einen kreis sehr internet-geübter personen gemündet hat. und wo bin ich heute? (hallo übrigens internetfirma, deren software ich 10 stunden am tag benutze.)
man kann ja schon mal in was reinrutschen. und dass ich dermaßen in meine kleine internetwelt reingerutscht bin, ist ja auch spannend und hat mir ja auch schon mal ein jausenbrot finanziert. nur hin und wieder muss ich mich halt auch selber beim krawattl packen und fragen, ob ein leben, das sich durchschnittlich 10 stunden am tag auf einem bildschirm abspielt überhaupt noch als "real life" bezeichnen lassen kann. ich sag nur: augenschmerzen und verspannte schulter. leider ist zu befürchten, dass sich das leben der meisten immer mehr vor bildschirmen abspielt. und sei es auch nur die fernsehglotze.
ich bewundere ja einige meiner echten, wichtigen und ganz lieben freunde, die sich vor dem ganzen internet wahnsinn fern gehalten haben. und ich bin überaus glücklich, dass wir überhaupt noch so vergleichbar gut kontakt gehalten haben (vor allem weil ihr nicht ständig im internet seid, wusl, curly und cauli!).

in diesem sinne: das einzige social network, in dem ich jetzt noch online registriert bin ist xing. also wer mich irgendwo "als kontakt hinzufügen" möchte, kann das dort tun. alle anderen freundschaften werden ab jetzt nur noch persönlich geschlossen. im echten leben und bei einem echten kaffee.
auf bald!

Sonntag, 13. September 2009

are we wise?

vor drei wochen hat mich mein zwei-wochen-mitbewohner j. gefragt: "what about you? what are you interested in?". und ich hab zum ersten mal geantwortet: "i am interested in me, myself and i. maybe i am egocentric..". ob egozentrisch das richtige wort ist sei dahin gestellt. jedenfalls ist mir in dem moment nichts besseres eingefallen das mir interessant erschien als ich selbst. vielleicht denke ich zur zeit einfahch zu viel nach ..über mich selbst. und ich hoffe immer noch, das es was bringt. fürs weiterentwickeln und fürs wachsen. und da man ja selten ohne guten dünger wächst, bin ich immer froh, wenn mir meine persönlichen mentoren (danke an dieser stelle!) beim nachdenken helfen bzw. mich davon abhalten wenn es nötig ist.
dublin ist jedenfalls immer noch aufregend und spannend für mich. letzte woche habe ich immerhin einen jahresvertrag für das neue haus unterschrieben, aus dem ich erst mal nicht rauskomme. und ich lerne auch hier unglaublich spannende menschen kennen. und die geben mir erfrischendes feedback zu mir selbst, das ich vorher noch nicht gehört hatte. womit wir wieder beim thema wären: hehe.
hab ich euch schon mal gesagt, dass ich zum beispiel ein jedi-ritter werden möchte? egal wie oft, lange und erfolgreich(?) ich jemals über karriere- oder familienplanung nachgedacht hatte, ein ziel blieb immer gleich: ein guter und weiser mensch zu werden. in einer diskussionssendung zum thema "weisheit" war vor einem jahr das fazit, dass menschen bis zu ihrem 25. geburtstag prinzipiell ihre geistige, psychische und soziologische entwicklung abgeschlossen hätten. alle, die danach noch über "gott und die welt" nachdächten, hätten das potenzial, mit dem alter "weise" zu werden. das ist doch eine schöne vorstellung für eine mitt-zwanzigerin!
nun bin ich ja in einer familie aufgewachsen, in der sich viele mitglieder sehr ausgiebig mit sich selbst auseinander setzen. und es ist sehr schön, die ergebnisse dieser auseinandersetzungen zu erleben und zu erkennen. dafür darf man sich nur nicht darauf verlassen, die menschen mit denen man die letzten jahrzehnte verbracht hat, "quasi auswendig" zu kennen. ganz im gegenteil ist es wichtig, sich gegenseitig upzudaten, wie meine liebe cousine s. so schön sagt. mit updaten ist ist nicht der austausch von bloßen neuigkeiten gemeint, sondern der austausch von ansichten, meinungen und aha-erlebnissen. ich hoffe, ich mache das oft genug mit euch, meine lieben sallis!
hab nur ich das gefühl, dass viele von uns im umgang mit unseren liebsten zu anmaßend handeln? ich zumindest ertappe mich manchmal dabei, zu wissen was gut für die anderen ist oder eher zu interpretieren als nachzufragen. das funktioniert natürlich oft, und meistens wäre es gar nicht möglich, alles auszudirkutieren was man "auch so weiß". ich habe mir allerdings wie immer gedanken zu dieser frage gemacht, weil wir in unseren sales-trainings immer wieder darauf hingewiesen werden, nachzufragen was unsere kunden wünschen und ihnen nicht einfach irgendwas auf's auge zu drücken, von dem wir glauben, dass es gut für sie ist. sozialwissenschaft arbeitet ja auch mit empirischer forschung aber beim sms-schreiben stellen wir vorher langwierig theorien darüber auf, was der andere wohl in 160 zeichen meint, anstatt mal zurückzurufen und nachzufragen. ;)
wie auch immer. die kassiopeia ist immer noch das himmels-"w" und nicht das himmels-"m" (auch wenn der charmante w. mir das im zarten alter von 15 mal so erklären wollte). dafür nennt mich hier niemand mehr das mo.
"öfter mal was neues!" ist ja nicht umsonst mein lieblinszitat von meiner m. in diesem sinne, freue ich mich dass sich so viel tut die ganze zeit. und keine sorge.. ich habe großartige letzte wochen verlebt! (bin nur ob der sich-überschlagenden ereignisse nicht zum bloggen gekommen).
und jetzt geh ich sternderlschauen in den garten.
CHEERS!

home .....sweeeet! :)

drei tage vor dem rauswurf aus unseren alten wg's haben wir doch noch eine kleine feine residenz für unser nächstes jahr hier in dublin gefunden.. (den nachmieter für mein altes zimmer hab ich übrigens sogar noch als mitbewohner "genießen" dürfen...) ich bin sooo froh: endlich raus aus dem google-ghetto!! und rein in die studentisch und alternativ-nette wohn(!)gegend ranelagh.
ach.. es ist ein schönes zuhause. M2C2 haben wir es benamst (residents: matt, mo, christoph und christian "lufti luuuft"). ein wohlfühldaheim, ein "ort für kreative ideen" und zu aller erst gleich mal eine herberge für acht von matts alten freunden aus den u.s. und zwei freunden christophs aus der wiener gegend.

....und das hier ist meine einladung an euch, meine lieben:






looking forward to seeing you soon at M2C2!
SLAÍNTE!

Samstag, 18. Juli 2009

Cancelled Accounts

Heute habe ich endlich ein paar meiner alten Nutzerkonten gelöscht. Hier meine Erfahrungen damit:

1. MySpace - cancellation pending. Ich warte noch auf die Email, in der ich das Löschen des Kontos bestätigen muss. Mal schauen.. Für jeden Grund (aus einer Liste auszuwählen), den man für das Löschen des Kontos angibt, erscheint ein darauf zugestimmtes Argument in Form eines PopUps, das einen noch zum Beibehalten des Kontos überzeugen soll... haha. Guter Trick, Jungs!
2. Last.fm - ging schnell und easy. Jetzt kann ich nicht mehr auf meinen Music-Manager zugreifen.. sorry Schwaiga und Josy - ich hoffe, eure Songs bleiben dennoch online!
3. StudiVZ - quick and dirty. Ich bekam nur eine Aufforderung, nochmal alle Fotos zu checken, damit ich gleich anmelden kann, welche noch gelöscht werden sollen. Habe keine Beschwerden vorzutragen.. viel Spaß mit meinen bescheuerten Pixx! ;)
4. Szene1 - ging schnell und unkompliziert. Musste auch Gründe angeben, weshalb ich das Konto löschen möchte. Und dann habe ich bemerkt, dass ich durch Szene1.at gleich auch bei Szene1.sk und Szene1.cz angemeldet worden bin (darüber hatte mich keiner informiert!!)
5. SecondLife - Cancellation pending. Das heißt soviel wie: Mein Avatar bleibt noch 60 Tage gespeichert und falls ich mich bis dahin nochmal einlogge, kann ich das Konto und den alten Avatar wieder aktivieren. Habe ich aber nicht vor.
6. Dann habe ich noch versucht, ein altes Flickr-Profil zu löschen.. leider hab ich sowohl Login-Email, als auch den Benutzernamen vergessen.. das wird jetzt wohl bis in alle Ewigkeit online bleiben.
7. ICQ - Dieses Konto kann generell nicht gelöscht werden. Im Hilfeforum war der Tipp, alle Infos rauszunehmen und das Konto einfach nicht mehr zu benützen. So be it - Done.
8. WAYNE - Bin heut erst draufgekommen, dass ich da auch angemeldet war. Lustigerweise ist beim Löschen des Profils ein "technischer Fehler" passiert und ich wurde aufgefordert, mir doch in der Zwischenzeit ein paar Fotos meiner "Freunde" anzusehen.. ;) Nun ist das Profil aber erfolgreich gelöscht.
9. Gästebuchking - Das Löschen des Profils dauert 24 Stunden (in denen ich das Konto wieder aktivieren könnte). Also sorry Claudschi und Sallis.. die Gästebücher werden dann wohl offline gehen. Aber nachdem sie eh nicht wirklich benützt wurden, kann das ja nicht so schlimm sein. ;)

Außerdem:
a) Ich habe nun auch bemerkt, dass mein Uni-Webspace noch aktiv ist und die alten Webseiten noch online. Da ich mich aber mit meinem Uni-Login nicht mehr anmelden kann, kann ich auch nix mehr offline nehmen. Schöner Käse, liebe beste Universität Österreichs.
b) Sobald ich alle Webprofile gelöscht habe, bei denen ich mit meiner Hotmail-Adresse angemeldet bin, wird auch diese Email-Adresse zu Grabe getragen. Also bitte schickt mir nix mehr an die Hotmail-Adresse.

Fazit:
Schön, mal wieder etwas Altes weggeworfen zu haben! :)

Sonntag, 5. Juli 2009

Sommerfotos...

..der letzten Wochen sind nun auf Picasa - siehe Link rechts und viel Spaß!

Besonders lustig ist's mit meinen Lieblingskollegen..



..und meinem Lieblingsmitbewohner Matt..


Fazit: Ich hab einen sehr schönen sommer hier in Dublin so far.
Slaínte!

Samstag, 13. Juni 2009

Zukunft unserer Kommunikation? Gedanken zu Google Wave

Zwei Jahre hat das Engineer-Team um Lars und Jens Rasmussen (Google Maps-Erfinder) an einer "Revolution der Online-Kommunikation und -Zusammenarbeit" entwickelt. Vor kurzem stellte das Team die ersten Demos für Google Wave in einer zweistündigen Präsentation in Mountain View vor. Hier das auf zehn Minuten gekürzte Video:


Google Wave ist zur Zeit nur als beta-Version für Entwickler verfügbar - ich habe mich aber auch gleich mal selbst hier für einen Account in Google Wave registriert: http://wave.google.com
Weil: Ich bin auf den ersten Blick begeistert von diesem Produkt! Alle modernen Online-Applikationen (von Web 1.0 - 3.0) verbinden sich in Wave auf die für Google typische gelungene (und noch laaange nicht fertig entwickelte) Weise. Google Wave verschmilzt unsere bisherigen Tools der Online-Kommunikation und -Zusammenarbeit: E-Mail, Instant Messaging, Foto-/Videosharing, Wiki-Zusammenarbeit, Dateibearbeitug, Spiele, Weblogs und Smartphone - um nur die ersten und wichtigsten Funktionen zu nennen.

In solchen Momenten der Euphorie denke ich gerne an meine Diplomprüfung zurück und erinnere mich an mein Versprechen an die Kommunikationswissenschaft: Kritisch zu bleiben. Und auch wenn mein dringender Appell an mein Institut ist, Google Wave zu beobachten und hinterfragen befürchte ich, dass wieder mal ich selbst damit beginnen muss.

Hier meine ersten Fragen:

1. Wie werden wir in einer Wave-Umgebung miteinander kommunizieren?
Ich denke, wir werden noch mehr als bisher kommentieren und interagieren. Wir werden daher noch mehr als bisher überflutet werden von Gedanken, die erst im Entstehen sind und weniger von fertigen Konzepten. Wir werden dadurch intensiver gemeinsam etwas erarbeiten und interaktiv Ideen/Pläne/Projekte entwickeln. Vielleicht werden wir durch diesen intensiven Austausch von Memen und weniger von Konzepten wieder intuitiver online und mobil kommunizieren. Geschriebener Text, Bilder, Videos und Grafiken bleiben dabei zwar vorerst weiterhin unsere Kommunikationsmedien, durch die schnelle und unmittelbare Übertragung der Nachrichten könnten wir jedoch wieder näher an "natürliche Gespräche" kommen als mit unseren jetzigen asynchronen Online-Medien (und dazu zähle ich auch Instant Messaging, da man auch dabei sekundenlang auf die Antwort warten muss).

2. Was bedeuten Zeit und Raum in der Wave-Umgebung?
Da Wave quasi ohne Zeitverzögerung funktioniert, werden wir noch eher das Gefühl haben als bisher, unseren Online-Kommunikationspartnern gegenüber zu sitzen. Wir werden offener, emotionaler und gedankenloser unsere Ideen, Meinungen und Gefühle mit anderen teilen - und dank "Bloggy" auch gleich für die ganze Welt einsehbar im WWW veröffentlichen. Geografie kann in der Kommunikationssituation theoretisch auf das Vorhandensein von Zeitzonen (die uns mit unseren gegenübern trennen) reduziert werden. Mit der Einbindung von Google Maps in die Wave-Kommunikation erleben wir unsere räumliche Umwelt genauso wie ferne Urlaubsdestinationen vom Bildschirm aus als Satellitenkarte ergänzt mit eingebauten Informationen und Bildern.

3. Wie gehen wir in Wave mit dieser Flut an Nachrichten um?
Facebook- und Twitter-Nutzer erhalten und verbreiten heute schon eine immer unüberlichtlichere Anzahl an persönlichen und öffentlichen Nachrichten sowie weiterführenden Weblinks. Google-Wave fügt all diese "Messages" in einer Benutzeroberfläche zusammen und macht sie gleichzeitig editierbar für alle Empfänger. Um als Empfänger dieser vielen, sich ständig verändernden Nachrichten noch auswählen zu können, was lesenswert (oder gar bereichernd?) ist, greifen wir heute auf das Prinzip der Websuche und des Tagging zurück. Dabei müssen wir unsere Fragen auf Assoziationen in Textform reduzieren um das zu finden was wir suchen. Selbst wenn wir dabei zukünftig semantische Suchmaschinen verwenden, bleibt uns nicht erspart aus einer langen Liste an Suchergebnissen bzw. Tag-Ergebnissen, die für unsere Frage relevante Antwort auszuwählen. Dies erfordert ein hohes Maß an Medienkompetenz, vor allem wenn wir auch hinterfragen wollen, wie die Tags und Suchergebnislisten - aka unsere "relevanten" (und hoffentlich auch bereichernden?) Informationen - zustande kommen.

4. Wer lehrt uns die nötige Medienkompetenz für Wave?
Medienkompetenz ist heute so wichtig, wie nie zuvor. Einerseits um uns in unserer Welt zu orientieren und zu behaupten - Jobsuche, Networking, kostengünstige Reiseplanung und Einkauf, Informationssuche, Weiterbildung und private Kommunikation im Internet bieten eklatante Vorteile für diejenigen, die sich im WWW besser zurechtfinden. In Google-Wave verbinden sich viele neue Prinzipien der Kommuniaktion und Organisation von Information, die heute als solche erst von wenigen interessierten Onlinern beherrscht und verstanden werden. Kinder lernen die nötige Internet-Kompetenz heute oft nicht von ihren Eltern oder Lehrern, sondern von Mitschülern und durch eigenes Experimentieren. Doch diese Experimente finden in keiner geschützten Werkstätte statt, sondern in der "Öffentlichkeit" des WWW. Und wer klärt diese Kinder (oder auch Erwachsenen?) über die Folgen ihrer Online-Experimente auf? Und vor allem: Wer klärt unsere Eltern und Lehrer auf, diesen "Aufklärungsunterricht" besser selbst zu gestalten? Und nochmal vor allem: Was sollten wir den Kindern dabei mitgeben? Haben unsere Lehrpläne überhaupt noch Kapazitäten für weiteren Informatik- oder Internet-Unterricht, oder müssen wir dafür wieder eine Deutsch-, Musik- oder Turnstunde kürzen?

Google Wave ist das erstaunlichste Tool, das ich seit langem gesehen habe. Zweifelsohne bin ich begeistert davon, da es viele gute Ideen der letzten Jahre in einer technisch und grafisch gelungenen Weise verbindet. Google bringt Wave in wenigen Monaten als Open Source Projekt und ich nehme auch an (in alter Google-Manier) kostenlos auf den Markt. Optimistisch gedacht, könnten viele Nutzer aufspringen. Und selbst wenn es nicht Wave ist, sondern ein anderes Produtk: Wir sollten uns alle fragen, wie wir in fünf oder zehn Jahren online und mobil kommunizieren werden: Was wir dabei wirklich noch austauschen, was wir dabei wirklich noch lernen und wie wir uns und unsere Welt erleben.
Ich hoffe, dass an diesen Technologien nicht nur Software-Entwickler beitragen sondern, dass wir uns alle darüber Gedanken machen, was das für unser Zusammenleben bedeuten könnte.

Die zweistündige Demo zu Google Wave, sowie der Link zur Anmeldung für den beta-Test sind hier zu finden: http://wave.google.com